Ich sehe gerade „So gut wie tot“ auf RTL II. Jetzt werden einige sicherlich fragen „Warum tust du dir ‘ne Synchro an, du kannst doch offenbar ausreichend gut Englisch?“ oder „Das mit der Werbung ist doch scheiße!“. Und die Antwort ist einfach: Das gehört für mich einfach zum Fernsehen, genauso wie das eigentlich total nervtötende Popcornrascheln einfach zur Kinoatmosphäre gehört. Man wartet eine Woche lang auf die nächste Folge und wenn sie dann da ist… Das ist toll. Das funktioniert nicht, wenn ich mir den Stoff aus’m Internet hole… Dann gucke ich 15 Stunden durch und weiß am Ende nicht, was ich am Anfang gesehen habe. Außerdem sind deutsche Synchros sehr professionell, natürlich gehen besonders Wortspiele verloren, aber es kommen auch neue hinzu, dabei denke ich vor allem an’s „Ich bin Doktor House – Bindestrich – Meister!“ vom Hausmeister in Scrubs, was ein zusätzlicher, eigentständiger Witz ist, neben dem Running Gag, dass der Hausmeister keinen Namen zu haben scheint. Dagegen finde ich „I am doctor Jan Itor!“ wirklich lahm.
Aber es gibt da auch kleinere Beispiele. (Man beachte die geniale Überleitung!) So geht es in „So gut wie tot“ darum, dass Seelensammler (im Original: grim reaper) eigentlich ganz normale Menschen sind, die durch Zufall, oder Schicksal, die beiden Begriffe verwischen in der Serie, der letzte „Kunde“ eines anderen Seelensammlers waren, der damit seine Aufgabe erfüllt hatte. Als Seelensammler ist man zwar technisch gesehen tot, jedoch erhält man einen lebenden Körper, der zwar unsterblich aber immernoch verwundbar, jedoch mit extremen Selbstheilungsfähigkeiten ist. Und aus dieser Position werden sowohl Leben als auch Tod zynisch-satirisch kommentiert. Viele Witze entstehen daraus, dass die Lebenden nicht wissen, was die Seelensammler eigentlich sind. So sind eigentlich belanglose Bemerkungen wie „Sie ist ein richtiger Engel!“ plötzlich urkomisch. Damit verwandt ist auch ein durch Übersetzung hinzugekommener Witz. Im Original sagt die Hauptperson, dass sie sich „never ever“ mit einer anderen Seelensammlerin verstehen würde. Im Deutschen heißt das dann „nie im Leben“. Und das von einer Toten. Interessanterweise haben das die Übersetzer beim Serientitel verbockt. „So gut wie tot“ trägt nicht die Zynik von „Dead like me“ (wörtlich: So tot wie ich).
I’m watching „Dead like me“ on RTL II right now. Now some people may ask „Why do you bear that synchronization? You obviously can use the English language.“ or „The ads just suck!“. The answer is easy: This is the point about watching TV, just like the awful sound fo Popcorn is crucial for the atmosphere in a movie theatre. You wait one long week for the next episode and when it plays… Gorgeous. This doesn’t work when I load the stuff from the web. Then I sit down and watch for 15 hours not knowing what I’ve seen in the beginning, in the end. And German synchronizations are really professional, of course most puns and some jokes are lost in translation, but some are generated that way. For example in one episode of „Scrubs“, where the Janitor pretends to be a doctor. In English he says: „I am doctor Jan Itor!“ Well, that’s the usual gag about the Janitor having no real name. In German he says: „Ich bin Doktor House – Bindestrich – Meister!“ (literal: „I am doctor House – hyphen – Keeper!“) Which also mocks about „Dr. House“ / „House, M.D.“ being a pastiche of „Scrubs“.
But there are not so extreme examples. The plot of „Dead like me“ is about grim reapers are normal humans in reality who by coincidence or (mis)fortune – these terms mix up in the series – were the last customer of another grim reaper who fulfilled his duty then. As a grim reaper you are technically dead but you are equipped with a living body which is immortal but vulnerable (although its regeneration capabilities are enhanced extremely). From this position live and dead are commented in a cynical and ironical way. Many jokes come from the situation that the living don’t know what the grim reapers really are. So a trivial sentence like „She’s such an angel!“ become hilarious. Related to that style of jokes a joke came by translation. The main character says in English that she will „never ever“ be a friend of the new grim reaper in the team. Not funny at all. In German she says „Nie im Leben.“ (Not in my entire life.). Well, she’s something like dead. But the guys from the translation did bad at the title „Dead like me“ is cynical, „So gut wie tot“ („As good as dead“ or „Almost dead“) doesn’t get the point.
10 August 2008 at 9:37
Der Eintrag gefällt mir. Das mit dem „Ich bin Doktor House – Meister“ wusste ich nicht, da ich mir Scrubs immer auf Englisch anschaue. Interessant. Aber ich hab mir die Scrubs-Staffeln ja nicht umsonst gekauft und außerdem nerven mich die deutschen Synchronstimmen immer, wenn ich das Original mal gehört habe. Ging mir bei Gilmore Girls auch so.
Auf jeden Fall mag ich bei Scrubs die Folgen, in denen Elliot Deutsch spricht. Das ist einfach toller als Dänisch
Und meine Lieblingsszene ist daher sowieso diese hier: http://www.youtube.com/watch?v=M7Cagsx60Pw
Also, iss’ dein Schnitzel, sonst krichst du keinen Nachtisch!
10 August 2008 at 10:37
Das mit den Synchronstimmen geht mir genauso, deshalb verzichte ich auch auf das Original, wenn ich die synchronisierte Folge noch nicht gesehen habe. Wie gesagt, deutsche Synchro ist an sich sehr gut und ich brauche dieses Fernseherlebnis.
Eine Ausnahme ist Naruto da habe ich mir dann die Folgen auf Japanisch mit englischen Untertiteln reingezogen. Zu Recht, denn bei RTL2 hat irgendwer nicht verstanden, dass die Zielgruppe nicht Kinder (also 8 bis 14) sondern Jugendliche und junge Erwachsene (16 bis 30) sind. Deshalb wurde alles Blut (was im Original reichlich auftaucht) retuschiert, das Wort „töten“ (etwa fünf mal je Folge) durch „besiegen“ oder „fertigmachen“ ersetzt und die Aussprache der japanischen Worte massiv verhunzt. „Sasuke“ spricht man halt etwa wie „Zasske“ aus und nicht „Sah-Suh-Kä“.
Und in der deutschen Synchro von Scrubs spricht Elliot nicht Dänisch, sondern schweizer Dialekt (nicht Swytzerdütsch!).
10 August 2008 at 10:50
Ich hatte mal gehört, dass es Dänisch ist… Aber okay.
Du musst es ja dann wissen.
10 August 2008 at 11:12
An genau die Folge mit den beiden Deutschen (und ich kenne Amerikaner, die können um einiges besser Deutsch) erinnere ich mich nicht, aber als sie in der Cafeteria „Romeo und Julia“ aufgeführt hat, war es schweizer Dialekt.
10 August 2008 at 11:41
Meinst du jetzt, dass die besser deutsch können als Elliot oder als die „Deutschen“? Dass Mr. Mueller bei Scrubs „Warum hat mein Bruder mit verlügt“ sagt ist schon der Hammer. Da hätten sie ja wenigstens einen deutschen Schauspieler nehmen können
10 August 2008 at 11:57
Besser als beide. Elliot kann schon mal ganz ordentlich deutsch, aber die Deutschkenntnisse in den USA sind allgemein unglaublich schlecht, wenn man bedenkt, dass praktisch jeder weiße Amerikaner mindestens einen deutschen Vorfahren hatte.