Ich könnte es mir einfach machen und sagen, dass ich Soldat bin, weil ich dazu gezwungen werde. Theoretisch ist das sogar richtig, da die Wehrpflicht jeden männlichen Bürger zu einem militärischen Dienst heranzieht. In der Praxis ist dies jedoch zu einer persönlichen Wahl geworden, da Möglichkeiten, die ursprünglich dazu gedacht waren klassische Pazifisten nicht in eine Selbstkrise zu stürzen, auch von Leuten genutzt werden, die einfach nur die körperlichen Anstrengungen des Wehrdienstes fürchten. Dann gibt es noch Leute, die sich wegen Drogenkonsum ausmustern lassen. Wie sinnvoll diese Regelung ist, bleibt in Anbetracht der Verbreitung und der Akzeptanz des Cannabis-Konsums unter Jugendlichen fraglich. Man könnte zwar argumentieren, dass Leute, die mit Waffen umgehen absolut nüchtern sein sollten, jedoch gibt es bei mir in der Einheit einen Soldaten, bei dem erst bei der Eingangsuntersuchung Wirkstoffe im Urin festgestellt wurden. Dieser hat in seiner gesamten Grundausbildung nicht einen scharfen Schuss abgegeben, dennoch hält man ihn offenbar dafür befähigt einen Dienstgrad zu erhalten und in einer regulären Einheit seinen Dienst zu tun.
Doch zurück zu mir. Es waren vier realistische und mehr oder weniger legale Möglichkeiten gegeben, zwischen denen ich mich zu entscheiden hatte: der Wehrdienst, ein Zivildienst, eine langjährige Freiwilligenverpflichtung im Katastrophenschutz oder die Ausmusterung.
Letztere kam für mich von vornherein nicht in Frage, da ich meine Bürgerrechte schätze und meine Bürgerpflichten akzeptiere. Wäre ich gesundheitlich wirklich in einem Zustand gewesen, der mich aus dem „Vergabesystem“ entfernt, dann wäre das ersteinmal so gewesen, die Möglichkeit eines freiwilligen sozialen beziehungsweise ökologischen Jahres, das einige als Möglichkeit der Erfüllung des Zivildienstes nutzen, hätte mir weiterhin offengestanden.
Wobei wir schon bei der nächsten Alternative sind: dem Zivildienst. Ursprünglich als Alternative für all jene Leute gedacht, die es aus der Tiefe ihrer Persönlichkeit heraus ablehnen in einem Krieg zu kämpfen oder Menschen zu töten. Heutzutage findet man auch ehemalige Zivildienstleistende bei der Polizei, wo sie Schusswaffen tragen, die sie schlussendlich in die Lage versetzen können einem anderen Menschen das Leben zu nehmen. Ich persönlich sehe mich moralisch nicht gehemmt in der Verteidigung zu töten, damit fällt der klassische Grund schon mal weg. Ansonsten fände ich den „klassischen“ Zivildienst im Altenheim psychisch belastender als ein bisschen rumzumarschieren oder auf Mannscheiben zu schießen.
Die sechsjährige Verpflichtung im Katasrophenschutz würde ich in meinem Fall als feige Pflichtumgehung ansehen, da ich weder die notwendigen Qualifikationen besitze noch sicherstellen kann, dass ich dauerhaft am Standort meiner Wehr wohne, um efektiv einsetzbar zu sein. Ich habe zwar die richtigen Kameraden, die mich trotzdem in das Programm gebracht hätten, jedoch wäre das halt zu einem fruchtlosen Listenplatzbesetzen verkommen. Somit blieb durch Ausschluss der anderen Optionen nur der Wehrdienst als Alternative. Für mich selbst habe ich dann noch die Gegenprobe gemacht, um die Gegenargumente gegen den Wehrdienst zu entkräften.
These 1: Das Töten von Menschen ist in keinem Fall zu verantworten. – Hey, die würden mich auch töten wollen. In dieser Situation ist mir mein Leben echt lieber als das meiner Mitmenschen.
These 2: Befehl und Gehorsam; ist doch total scheiße, wenn man nicht machen kann, was man möchte. – Die Bundeswehr ist die durchdemokratisierteste Armee der Welt. In vermutlich keiner anderen hat man als einzelner Rekrut derartige Möglichkeiten nach oben zu treten und dabei mit hoher Wahrscheinlichkeit zu treffen. Die Ausbilder behandeln einen gut, sie haben auch keine andere Wahl.
These 3: Das ist ja total anstrengend! – Ach nee, na und? Ist doch keine Schande mal den Arsch hochzukriegen. Außerdem kann ich im Nachhinein sagen, dass das einen total geilen Körper gibt.
These 4: In casus belli ist man ja plötzlich wieder Soldat. Das ist ja total gefährlich! – Im Krieg wehre ich mich lieber organisiert, als einfach so auf mein Ableben zu warten. Atomwaffen unterscheiden nicht zwischen Soldaten und Zivilisten.
So war ich endlich in mir selbst dazu bereit Soldat zu werden, wenn auch nur für neun Monate, und jetzt – in medias res – kann ich behaupten, dass die Wahl weise war.
I could make things simple if I’d say „I am a soldier because I’m forced to be one.“ In theory this even would be true. In Germany the conscription wants every male citizen to do a military service. In reality this has become a personal choice. The options that were left to classical pacifists are misused by people that fear the physical challenges of the basic training. There are also people that use the fact that drug-consumers are declared to be incapable to do any service.
So I’ve had four realistic and more or less legal options to choose: military service, civilianservice, a long-term membership in a fire brigade or a similar organization or to be declared incapable of service.
Latter was no real option for me because I like my civil rights and accept my civil duties. Even if my health had been in a state that made me incapable to do military service I’d had the possibility to do a „Freiwilliges soziales Jahr“ or a „Freiwilliges ökologisches Jahr“ (voluntary social/ecological year) which is used by some people as a substitute to military service.
This takes us to the next option: the civilian service: First thought of as a chance for all the people that reject honestly to fight in a war or to kill people. Recently you can find some of these guys with the police where they bear arms which are designed to kill people. I do not see a conflict in my personal views on moral by killing people in defense. So the classical reason is gone. I even think that the „classical“ type of the civilian service which consists of caring for old people is psychically more challenging than a little running around and shooting at man-shaped targets.
That kind of binding membership for six years in a fire brigade or something similar I’d see as pointless because it would degenerate into simple being written on a list since I can not actively do that service when I move to a different location to be a student. So there is only the option of military service left. To be sure I also discussed the possible reasons against.
Thesis 1: You can not kill people. – Hey, they would also kill me, in this situation my life is more valuable to me than that of others.
Thesis 2: You have to follow orders; this sucks. – Bundeswehr are the most democratized armed forces in the world. In no other army a single recruit can take so many effective actions against his commanders.
Thesis 3: It’s so exhausting! – Well, duh… It should be, it’s the army. And you get an extremely sexy body. So where’s the problem?
Thesis 4: In casus belli you are a soldier again! This is extremely dangerous! – In war I’d rather defend myself in an organized form than wait for death to come. Nuclear weapons don’t difference between soldiers and civilians.
So I decided to be a soldier even if it’s just for nine months. And now – in medias res – I can say that I have chosen wisely.