Ich weiß, ich habe ewig nichts mehr geschrieben, aber das liegt an einem Problem, auf das ich noch eingehen werde.

Drei weitere Monate sind um. Diese waren weniger ereignisreich als die vorherigen drei und vor allem weniger anstrengend, zumindest körperlich. Dennoch saß ich so manches mal freitags zu Hause und hatte keinen Bock auf gar nichts mehr. Drei Tage durch den Wald zu rennen sind eine Sache, da schläft man drei Stunden im Zug und alles ist wieder gut, aber wenn man täglich mit einem Menschen konfrontiert ist, der seine Energie irgendwie rauslassen muss und sei es dadurch, dass er schreiend durch den Block rennt, dann ist das eine ganz andere.
Wie auch immer, ich bin jetzt zum zweiten mal an der Halbzeit meines Wehrdienstes angelangt. Das erste mal war vor sechs Wochen, dann wurden meine drei Monate FWDL bewilligt, so dass ich jetzt bei einer Gesamtdienstzeit von zwölf Monaten bin. Passt perfekt zum geplanten Studienbeginn. Und da sage ich: „Wenn ich für sichere 3000€, sowie Kost und Logis einfach noch drei Monate morgens was Grünes anziehen soll – warum nicht?“ FWDL ist halt eine Einrichtung für Leute, die sonst nichts mit ihrem Leben anfangen können und das trifft in meinem Fall für diese drei Monate zu. Oder bei gewissen anderen Personen auch für 12 Monate, aber der endet eh als Soldat auf Zeit.
Nun zu den Vor- und Nachteilen, die das ganze für mein Zivilleben bringt.
Vorteile:
ein ansehnlicher Haufen Knete für ‘nen 19- beziehungsweise 20-Jährigen ohne Berufsausbildung
mehr Urlaub, als ich mit reinem Gewissen nehmen kann
dunkelgrün passt so gut zu meinen Augen
ich darf ab und zu mal Schießen (in Anbetracht aktueller Ereignisse ist dies wohl eine sehr kontroverse Aussage, aber Schießen macht Spaß)
hervorragende medizinische Betreuung

Nachteile:
relative Abschottung von der Außenwelt von Sonntag Abend bis Freitag Nachmittag
weiterhin zwölf Stunden Zugfahrt in der Woche
viel zu wenig Frauen um einen herum
Langeweile nach Dienstschluss (vielleicht bessert sich das nach dem Stubenwechsel)
starker Mangel an Gesprächsthemen, die nicht mit der Bundeswehr zu tun haben, daher auch die Schreibblockade; ich hätte zwar auch schreiben können, dass ich meine bronzene Schützenschnur erhalten habe, jedoch erfüllt das zum einen nicht den Anspruch, den ich hier an mich selbst stelle, der auch beinhaltet, dass ich einen Sachverhalt aus einem ungewöhnlichen Blickwinkel, oder mit Humor, auf jeden Fall unterhaltsam und lesenswert oder zumindest kontrovers darstelle, zum anderen interessiert sich doch dafür keine Sau.